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Geiz ist geil - und krabbelnde Biotomaten nicht

Was passiert, wenn man Unternehmer/in, Umweltschützer/in, Geistliche/r, Verbraucher/in, Landwirt/in, Politiker/in und Wissenschaftler/in in eine Diskussionsrunde lädt und keine Kamera bereithält? Kein Sabine-Christiansen, eher eine Diskussion der anderen Art. So diskutierten über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Hamburg zum Thema „gentechnisch veränderte Lebensmittel“. Eine Zwischenbilanz.

Warum eigentlich diskutieren, wenn "menschen sind schon vor Jahrtausenden schon ohne Gentechnik ausgekommen" sind, fragt SMucHen. Die Antworten auf diese Frage kommen schnell - von allen Seiten sozusagen. Konsumenten wie Kenoo z.B. meinen: "alle wollen doch großes und preisgünstiges Obst, das ein längeres Haltbarkeitsdatum aufweist". Landwirte argumentieren bodenständig und pragmatisch: "Durch Gentechnik muss ich in einem Betrieb weniger Pestizide einsetzen". Das spart schließlich Kosten. Sagen auch die Unternehmer. Aber nicht nur das, Gentechnik verhilft auch zu Umsatzsteigerungen. Wie das geht, teilt der Geschäftsführer Flanny eines Lebensmittelherstellers in seinem Profil mit: "Mit  Anti-Matsch-Tomaten konnten wir den Absatz verdreifachen".

Wäre, ja wäre da nicht die Zurückhaltung der Abnehmer! "Konsumenten haben keine tiefen Einblicke in die Gentechnik daher vor Angst und Unwissenheit". Und das hat Auswirkungen, denn es sind nach Angaben von Unternehmer Andrej noch "ca. 70% der gesamtkonsumenten", die gentechnisch veränderte Lebensmittel nicht kaufen. Er und seine Kolleginnen und Kollegen sehen das Problem in der Uninformiertheit und Zurückhaltung der Verbraucher. Mehr "Aufklärungsprogramme durch die neue Regierungskoalltion" fordern sie und: "mehr Investition in die Forschung".

Das hören auch die Kollegen und Kolleginnen aus der Wissenschaft gern. Sie brauchen Geld, um nicht nur "widerstandsfähigere Pflanzen für unwirtliche Gegenden und Witterungsbedingungen" zu schaffen, sagt Jeanne, Gentechniker, sondern auch, um zu "beweisen, dass Gentechnik nicht schädlich sondern der Schlüssel zu einer Welt ohne Krankheiten und Hungernöte ist", wie Karoline, eine Professorin, mitteilt. Die Probleme aus wissenschaftlicher Sicht wurden schnell gefunden - von Konsumenten und Unternehmern gleichermaßen. Der Pollenflug und die möglichen Folgen durch Ablagerungen gentechnisch veränderter Pflanzen etwa. RoX-01, ein emsiger Mitstreiter im wissenschaftlichen Diskurs beklagt hingegen, dass es "ja eigentlich genug Nahrungsmittel [gibt] (es werden tonnenweise kartoffeln vernichtet) sie sind nur am falschen ort".

Das ruft die Politiker auf den Plan, die sich, ganz rollenuntypisch, eher zurückhalten. Ein zu unklares Terrain? "gentechnik sollte auf jeden fall von mehreren seiten betrachtet werden - allerdings fällt das oft schwer!" sagt darthJules, unparteilich. Prägnanter bringt das schon Sarah, SPD auf den Punkt: Gentechnik ist "dumm aber nützlich".

Vor allem für den Kunden: Geiz ist geil und Besseresser treffen aufeinander. Wir "sparen an allen Ecken und Kanten" seit "Hartz IV" greift, klagt Alrali. Der Ingenieur Nemesis hat diese Sorgen (noch) nicht: "Ich ess alles und habe keine Geldsorgen." Ätzend findet nach eigenem Bekunden Flanny ohnehin nur die eigenen Eltern, weniger die Lebensmittel. Denn die kommen alle aus dem Bioladen. Doch die Tendenz zu "billig-will ich" ist zweifelsohne spürbar. "Kann ich mit noch günstigeren genmanipulierten Lebensmitteln rechnen, wenn die Forschung ordnungsgemäß vorankommt" wird gefragt und: "Ist das sogennnte Genfood schädlich für mich oder auch meine Kinder, wenn sie es zu sich nehmen?". Viele besorgte Mütter sind in der Diskussionsrunde und diese Sorgen existieren unabhängig vom finanziellen Status. Also keine krabbelnden Biotomaten? Die will, so Flanny, natürlich niemand.

Vor allem nicht die Geistlichen, die dem Thema durchweg skeptisch gegenüber stehen.

Wir dürfen gespannt sein, wie sich das Thema auf BioTalk weiterentwickelt. So viel ist sicher, der Auftakt war schon sehr lesenswert und es geht ja noch weiter. (as)







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